Junge Frau auf E-Scooter mit Kaffee.

Gebrauchtkauf-Checkliste – Akku-Health, Probefahrt & Vertrag

So checkst du E-Scooter aus zweiter Hand richtig: Akku-Degradation erkennen, Spannungsabfall unter Last testen, Kaufvertrag sicher gestalten. Mit Praxis-Checkliste.

Inhaltsverzeichnis

🧭 Aufhänger: Warum eine Checkliste Gold wert ist

Gebrauchte E-Scooter können ein Schnäppchen sein – oder teure Überraschungen. Damit du klug sparst und nicht bei Sicherheit, Reichweite oder Ersatzteilen „verzichtest“, führt dich diese Checkliste Schritt für Schritt durch den Kauf. Fokus: Akku-Health, Spannungsabfall unter Last und ein wasserdichter Kaufvertrag. Bonus: eine kurze Sichtprüfung, ein Probefahrt-Protokoll und klare Must-haves auf Papier.

🔋 Akku-Health verstehen: Degradation in der Praxis

Lithium-Ionen-Akkus verlieren über Zyklen und Zeit an Kapazität. Wichtige Indizien:

  • Ladehistorie: Frag nach Nutzungsprofil (täglich/selten), Lagerung (Raumtemperatur?), Laderoutine (Teil-Ladungen vs. 0–100 %), Original-Ladegerät.
  • Ladezeit & Restreichweite: Gegenprobe: Wie lange dauert eine Vollladung? Wie weit kam der Scooter zuletzt real bei ähnlichem Wetter?
  • Spannung im Stand: Bei Volladung liegt die Packspannung im üblichen Sollbereich (modellabhängig) – starke Abweichungen sind ein Warnsignal.
  • Temperaturverhalten: Nach langer Fahrt heißer Akku? Das spricht gegen gutes Zellmanagement.

Kein exaktes Diagnose-Tool zur Hand? Dann kombiniere Spannungscheck, Lasttest und Probefahrt (siehe unten).

⚡ Spannungsabfall unter Last: So testest du richtig

Der schnellste „Gesundheits-Scan“ für den Akku ist der Voltage Sag-Test.

  • Schritt 1: Scooter vollständig laden, 15–20 Minuten „setzen“ lassen.
  • Schritt 2: Digitale Spannungsanzeige (im Display/App) im Blick. Falls nicht vorhanden, beobachte stattdessen die Prozentanzeige und das Fahrverhalten.
  • Schritt 3: Auf ebener Strecke mit konstantem Zug beschleunigen. Notiere: Wie stark fällt die Spannung (oder %) bei konstanter Last ab?
  • Daumenregel: Ein moderater Abfall ist normal; ein tiefer Einbruch schon bei niedriger Last oder frühes Abschalten deutet auf gealterte Zellen, hohes Innen­widerstandsniveau oder ein BMS-Problem hin.
  • Rampen-Test: Wiederhole an leichter Steigung: Instabiler Leistungsabfall = Red Flag.

Achte auf Konstanz: Bricht die Leistung sprunghaft ein, ist der Akku oft das Nadelöhr.

🧪 Probefahrt-Protokoll: Fahrwerk, Bremsen, Elektrik

Eine gute Probefahrt ist systematisch:

  • Geradeauslauf: Zieht der Scooter? Lenker mittig? Spiel im Faltgelenk?
  • Bremsen: Gleichmäßige Verzögerung, keine Rubbelgeräusche, Notbremsung auf sicherem Terrain testen.
  • Reifen & Druck: Profiltiefe, seitliche Risse, gleichmäßiger Verschleiß.
  • Licht & Elektrik: Front-/Rücklicht, Bremslicht, Blinker (falls vorhanden), Hupe, Display, Ladeport-Kappe.
  • Geräusche: Klappern aus Faltmechanik, Lager, Motor – eher Nein; leises Surren – okay.

Tipp: Fahre auch über Kopfstein/Schachtdeckel. Wenn es „arbeitet“, prüfe Schraubverbindungen und Ständerfeder.

🔍 Sichtprüfung: Rahmen, Faltgelenk, Deck & Schrauben

Schau dir den Scooter im Hellen an:

  • Rahmen & Schweißnähte: Risse? Nachlackierte Stellen? Unsaubere Übergänge?
  • Faltmechanik: Spiel, Haarrisse, verschlissene Haken/Clamps. Faltprobe mehrfach durchführen.
  • Deck-Unterboden: Schleifspuren („Aufsetzer“), offene Kanten, lose Kabel, korrodierte Schrauben.
  • Ständer & Bremssattel: Salz-/Wasser-Spuren? Öl/Fett an der falschen Stelle?

Korrosion an Schraubenköpfen und Steckern ist im Gebrauchtmarkt ein ehrlicher Hinweis auf Pflegezustand.

🧩 Elektronik & Software: Ladegerät, BMS, App & Historie

  • Original-Ladegerät vorhanden und unbeschädigt? Fremdlader sind ein Risiko.
  • BMS/Fehlercodes: Startet der Scooter konsistent? Blinkt irgendetwas? Fehlerprotokoll in der App checken.
  • Firmware: Seriöse, nicht manipulierte Version? „Entdrosselungen“ sind oft schlecht dokumentiert.
  • Seriennummer (Rahmen/Deck) notieren und mit Rechnung abgleichen, um Diebstahlrisiken zu vermeiden.

Fehlt das Ladegerät oder ist es „No-Name“, kalkuliere Ersatz ein und prüfe Kompatibilität.

📝 Kaufvertrag: Die Must-Haves für Sicherheit

Der Vertrag ist deine Versicherung. Unbedingt aufnehmen:

  • Parteien & Identität: Vollständige Daten, Ausweis-Check, Seriennummer des Scooters.
  • Zustandsbeschreibung: Kilometer (falls vorhanden), Akku-Zyklen grob (sofern bekannt), bekannte Mängel konkret (nicht nur „wie gesehen“).
  • Zubehörliste: Ladegerät (Original?), Zweitschlüssel, Bedienungsanleitung, ggf. Ersatzreifen.
  • Gewährleistungsausschluss (bei Privatverkauf) und Eigentumsgarantie (keine Rechte Dritter).
  • Probefahrt-Protokoll als Anhang (Haken/Notizen).
  • Unfall-/Wasserschaden-Disclosure: „Kein bekannter Sturz- oder Wasserschaden“ – oder genaue Angabe.
  • Kaufpreis & Übergabe (Datum, Uhrzeit, Zahlungsart), beiderseitige Unterschrift.

Extra: Foto vom Scooter bei Übergabe (beide Seiten, Seriennummer, Display an).

💰 Preisfindung & Verhandlung: Zahlen mit Plan

Rechne rückwärts vom Zustand: Akkutausch (Teile/Arbeit) als Abzugsposition einkalkulieren, wenn Voltage-Sag-Test auffällig war. Sichtbare Mängel (Reifen, Bremsbeläge, verbogene Hebel) sind konkrete Verhandlungspunkte. Ein fairer Deal lässt beiden Seiten Luft: Käufer spart real, Verkäufer wird die Baustellen los – dokumentiert und transparent.

🛒 Alternative: Neu kaufen – wenn Gebraucht zu riskant ist
Wenn Akku/Elektrik Bauchschmerzen machen, kann ein Neugerät langfristig günstiger sein – mit Garantie, frischem Akku und klarer Historie. Drei Beispiele aus eurer Produktwelt:

So bleibt „Smart sparen, nicht verzichten“ mehr als ein Motto: Du reduzierst Risiko, sicherst Wert und fährst mit gutem Gefühl los.

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Trittbrett Hilde
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