Mann fährt auf schnell auf E-Scooter

Wie sicher sind E-Scooter-Akkus wirklich? Was der ADAC-Stresstest zeigt

Wie groß ist die Brandgefahr bei E-Scooter-Akkus wirklich? Der ADAC hat sechs Modelle unter erheblichen Belastungen getestet. Wir zeigen, was der Test tatsächlich aussagt, worauf es beim Laden ankommt und welche Sicherheitsanforderungen seit 2026 gelten.

 

Inhaltsverzeichnis

🔥 Warum die Sicherheit von E-Scooter-Akkus diskutiert wird

Brennende Lithium-Ionen-Akkus sorgen verständlicherweise für Aufmerksamkeit. Besonders groß ist die Sorge dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen – zum Beispiel in Bussen und Bahnen.

Die Diskussion führte in den vergangenen Jahren dazu, dass verschiedene Verkehrsunternehmen die Mitnahme von E-Scootern eingeschränkt oder untersagt haben. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hatte 2024 eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

Aber wie groß ist das Risiko tatsächlich?

Der ADAC hat sechs E-Scooter aus unterschiedlichen Preisklassen gezielt unter elektrischen, klimatischen und mechanischen Belastungen untersucht. Das Ergebnis fällt zunächst beruhigend aus. Es braucht trotzdem eine vernünftige Einordnung.

🧪 Was hat der ADAC bei den E-Scooter-Akkus getestet?

Für den Systemvergleich wurden sechs E-Scooter aus vier Preisklassen ausgewählt – vom günstigen No-Name-Modell bis zum Premium-Scooter. Dabei ging es nicht darum, den besten E-Scooter zu küren. Untersucht wurde gezielt, wie die unterschiedlichen Batteriesysteme auf starke Belastungen reagieren.

Elektrische Belastung

Zunächst wurden Kapazität und Zustand der Akkus erfasst. Anschließend folgten unter anderem mehrere Tiefenentladungen und eine dreiwöchige Selbstentladung. Danach wurden Kapazität und Innenwiderstand erneut gemessen.

Wo es technisch möglich war, versuchte der ADAC außerdem, die Fahrzeuge über Veränderungen am Batteriemanagementsystem oder entsprechende Apps zu tunen. Wärmebildaufnahmen dokumentierten zusätzlich das Temperaturverhalten der Akkus beim Laden und Entladen.

Ein interessanter Nebenbefund: Beim getesteten No-Name-Scooter wurden 300 Wh Akkukapazität gemessen, obwohl 378 Wh angegeben waren – rund 20 Prozent weniger.

Regen und Minusgrade

Auch Wetterbelastungen gehörten zum Test. Die Scooter wurden starkem Regen und Wind ausgesetzt und anschließend auf eingedrungene Feuchtigkeit beziehungsweise mögliche Schäden untersucht. Zusätzlich mussten die vollgeladenen Fahrzeuge einen Kältetest bei minus zehn Grad Celsius durchlaufen.

Simuliertes Kopfsteinpflaster

Für die mechanische Belastung bildete der ADAC die beim Fahren über Kopfsteinpflaster entstehenden Schwingungen auf einem Prüfstand nach. Die Scooter wurden dort 30 Minuten lang bei Höchstgeschwindigkeit über das simulierte Profil gefahren. Anschließend wurden Akku und Elektronik erneut untersucht.

🛡️ Das Ergebnis: keine Brände oder Explosionen

Bei keinem der sechs getesteten Batteriesysteme konnte durch die Prüfungen ein Brand oder eine Explosion provoziert werden. Auch nach Abschluss der Tests stellte der ADAC keine Verformungen oder anderen auffälligen Veränderungen an den Batteriepacks fest. Für die konkret untersuchten Systeme bescheinigt der ADAC deshalb ein hohes Sicherheitsniveau.

Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis. Es bedeutet allerdings nicht, dass E-Scooter-Akkus grundsätzlich nicht brennen können.

Sechs getestete Fahrzeuge repräsentieren nicht jeden Scooter und jedes Batteriesystem auf dem Markt. Der Test zeigt vielmehr, dass die konkret untersuchten Systeme selbst erhebliche elektrische, klimatische und mechanische Belastungen ohne sicherheitsrelevante Auffälligkeiten überstanden haben.

Die vernünftige Einordnung liegt deshalb zwischen zwei Extremen: weder Panik noch pauschaler Freibrief.

⚡ Beim Laden ist besondere Aufmerksamkeit gefragt

Für den Alltag ist ein anderer Punkt mindestens genauso wichtig. Der ADAC weist darauf hin, dass die Gefahr eines Akkubrandes tendenziell während des Ladevorgangs am größten ist. Entsprechend wichtig ist der richtige Umgang mit Akku und Ladegerät.

Fünf einfache Regeln für den Umgang mit dem Akku

  • 1. Das vorgesehene Ladegerät benutzen: Verwendet werden sollte das vom Hersteller vorgesehene Ladegerät.
  • 2. Beschädigungen ernst nehmen: Akku, Ladegerät, Stecker und Kabel sollten regelmäßig kontrolliert werden. Auffällige oder beschädigte Komponenten gehören überprüft und nicht einfach weiterverwendet.
  • 3. Extreme Temperaturen vermeiden: Auch bei der Lagerung sollte der Akku nicht unnötig extremen Temperaturen ausgesetzt werden.
  • 4. Wärme beim Laden berücksichtigen: Akku und Ladegerät erzeugen beim Laden Wärme. Ein trockener und ausreichend belüfteter Ladeplatz gehört deshalb zum vernünftigen Umgang mit dem Fahrzeug.
  • 5. Keine Manipulation am Batteriesystem: Eingriffe in das Batteriemanagementsystem können Schutzfunktionen beeinflussen. Zusätzlich kann Tuning Auswirkungen auf die Betriebserlaubnis haben.

Mehr zum Thema: E-Scooter-Akku richtig laden

📜 Seit 2026 gelten strengere Anforderungen an E-Scooter-Akkus

Seit dem ADAC-Test hat sich auch die regulatorische Situation weiterentwickelt.

Die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung enthält inzwischen konkretere Anforderungen an die elektrische Sicherheit von E-Scootern. § 7 eKFV verlangt unter anderem, dass Batterien die Sicherheitsanforderungen der DIN EN 50604-1:2022-06 erfüllen. Auch für weitere elektrische Komponenten wurden Sicherheitsanforderungen festgelegt.

Für bereits vorhandene beziehungsweise zuvor genehmigte Fahrzeuge gelten Übergangsbestimmungen. Die neuen Vorgaben bedeuten deshalb nicht, dass jeder bereits vorhandene E-Scooter plötzlich nach dem neuen Standard gebaut sein muss.

Für neuere Fahrzeuge wird aber klarer definiert, welche technischen Sicherheitsanforderungen ihre Batteriesysteme erfüllen müssen.

Mehr dazu: neue eKFV-Regeln für E-Scooter

🚌 Was bedeutet der ADAC-Test für die Mitnahme im ÖPNV?

Der ADAC hält ein generelles Mitnahmeverbot für E-Scooter angesichts seiner Testergebnisse für unverhältnismäßig. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass ein E-Scooter überall mitgenommen werden darf.

Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde können eigene Beförderungsbedingungen festlegen. Fahrer sollten deshalb vor der Fahrt prüfen, welche Regelung beim jeweiligen Anbieter gilt.

Der ADAC-Test beantwortet vor allem die technische Frage nach der Sicherheit der untersuchten Batteriesysteme. Er ersetzt nicht die Beförderungsbedingungen eines Verkehrsunternehmens.

🛠️ Sicherheit endet nicht beim Akku

Beim Kauf eines E-Scooters stehen häufig Reichweite, Motorleistung, Gewicht und Preis im Mittelpunkt.

Für die langfristige Nutzung sind aber noch andere Fragen relevant: Was passiert, wenn ein Bauteil ausfällt? Kann der Akku ersetzt werden? Gibt es Ersatzteile? Kann das Fahrzeug repariert werden? Gibt es technische Dokumentation und erreichbaren Service?

Genau deshalb verstehen wir Sicherheit bei TRITTBRETT nicht nur als Eigenschaft eines einzelnen Akkus.

Ein E-Scooter ist ein Fahrzeug für den Alltag. Verschleiß und technische Defekte lassen sich über seine gesamte Nutzungsdauer nicht vollständig ausschließen. Entscheidend ist deshalb auch, ob Komponenten gewartet, ersetzt und repariert werden können und ob dafür nachvollziebare Servicewege vorhanden sind.

Für TRITTBRETT gehört das zusammen: reale Alltagstauglichkeit, Reparierbarkeit, Ersatzteile, Service und Vertrauen.

Ein guter E-Scooter muss nicht nur funktionieren, wenn er neu aus dem Karton kommt. Entscheidend ist auch, was danach passiert.

🎯 Fazit: Respekt vor dem Akku – aber keine Panik

Der ADAC-Stresstest liefert keinen Freibrief für jeden Akku und jeden E-Scooter. Er liefert aber eine wichtige Einordnung.

Alle sechs untersuchten Batteriesysteme überstanden erhebliche elektrische, klimatische und mechanische Belastungen ohne Brände, Explosionen oder auffällige Veränderungen an den Batteriepacks.

Für Fahrer bleibt trotzdem ein vernünftiger Umgang wichtig – besonders beim Laden und bei sichtbaren Beschädigungen.

Und beim Kauf lohnt sich der Blick über Reichweite und Leistungswerte hinaus. Denn langfristig gehören Reparaturfähigkeit, Ersatzteile und erreichbarer Service genauso zu einem guten E-Scooter wie ein leistungsfähiger Akku.

❓ Häufige Fragen zu E-Scooter-Akkus

Können E-Scooter-Akkus brennen?

Ja. Lithium-Ionen-Akkus können bei Defekten, Beschädigungen oder ungünstigen Bedingungen thermisch reagieren. Im ADAC-Stresstest mit sechs E-Scootern kam es trotz erheblicher Belastungen jedoch weder zu Bränden noch zu Explosionen.

Was hat der ADAC bei den E-Scooter-Akkus getestet?

Der ADAC untersuchte sechs E-Scooter verschiedener Preisklassen. Zu den Belastungen gehörten unter anderem Tiefenentladung, Selbstentladung, Kälte, Regen sowie mechanischer Stress durch simuliertes Kopfsteinpflaster.

Wann ist das Risiko bei einem E-Scooter-Akku am größten?

Nach Einschätzung des ADAC liegt die größere Gefahr tendenziell beim Ladevorgang. Deshalb sind ein geeignetes Ladegerät, ein vernünftiger Ladeplatz und der Zustand von Akku und Ladeequipment besonders wichtig.

Gelten seit 2026 strengere Anforderungen für E-Scooter-Akkus?

Ja. Die aktuelle eKFV verlangt unter anderem, dass die Batterien die Sicherheitsanforderungen der DIN EN 50604-1:2022-06 erfüllen. Für bereits vorhandene und zuvor genehmigte Fahrzeuge gelten Übergangsbestimmungen.

Darf ich meinen E-Scooter in Bus und Bahn mitnehmen?

Das hängt vom jeweiligen Verkehrsunternehmen beziehungsweise Verkehrsverbund ab. Der ADAC hält generelle Verbote aufgrund seiner Testergebnisse zwar für unverhältnismäßig, daraus entsteht aber kein allgemeines Recht auf Mitnahme.

Quellen und weiterführende Informationen

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Trittbrett Hilde
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